Zwei Menschen, zwei ­Beispiele

Es gibt ganz ­unterschiedliche Wege, sich für Andere sozial zu engagieren

Erfahrungen & Bewertungen zu WirtschaftsHaus Unternehmensgruppe

 

Per Mertesacker: „Es gibt so viel mehr auf der Welt,
als Fußballer zu sein.“

Meine Mutter hat immer zu mir gesagt: Es gibt so viel mehr Probleme auf der Welt als nur Fußballer zu sein und täglich auf dem Platz zu stehen. Bei mir hat sich erst spät herausgestellt, dass ich als Profi mein Geld verdienen ­könnte. Vielleicht auch deshalb haben meine ­Eltern mir immer vermittelt, dass eine gehörige Portion Demut dazu­gehört. Für mich war es deshalb immer sehr wichtig, nicht nur der erfolgreiche ­Fußballer zu sein. Als ich mein Abitur gemacht hatte, habe ich mich dafür entschieden, Zivil­dienst zu leisten. Ich habe dann vormittags trainiert und nachmittags in einem Krankenhaus für Psychiatrie gearbeitet. Anfangs habe ich mich gefragt: Kann ich das überhaupt? ­Menschen, die ich nicht kannte, zu helfen: Beim Essen, beim Gang auf die ­Toilette, beim Zubettgehen. Bald habe ich gemerkt: Ja, das kann ich. ­Morgens für mich arbeiten, nach­mittags anderen Menschen unterstützen. Leuten, die wirklich große ­Probleme im Leben ­haben.

Das hat mir sehr dabei geholfen, die Welt auf eine andere Art zu sehen. Eine solche Erfahrung lässt Dich erkennen, was wirklich zählt. Und es hat mich demütig gemacht. Auf der einen Seite in einer Welt zu leben, die voller Highlights ist, voller Schönheit, mit Menschen, die Dich auf der ­Straße ­erkennen und 40.000 Menschen im Stadion, die Dich spielen sehen wollen. Und dann andererseits die Menschen zu treffen, die im Verborgenen leben. Die 24 Stunden am Tag Hilfe brauchen und Dich nicht als Prominenten erkennen. Das war wohl die beste Erfahrung in meinem Leben. Das hat mich sowohl als Mensch als auch als Fußballer reifen lassen. Meine Eltern haben mich immer wieder erinnert: Du hast großes Glück. Mach etwas daraus. Und respektiere die Menschen, die nicht solches Glück hatten. Deshalb engagiere ich mich auch immer für Projekte, die mein Club Arsenal London macht. Weil man damit so viel verändern kann.

Es ist gut, ein Fußballer zu sein. Aber es ist bestimmt nicht alles im Leben.

 

Per Mertesacker (33) hat 104 ­Länderspiele für Deutschland
absolviert und wurde 2014 mit dem DFB-Team in Brasilien
Fußball-Weltmeister. Der Abwehrspieler ist Kapitän von
Arsenal London und wird ab 2019 die Jugend-Akademie
des Vereins leiten. Mit seiner eigenen Stiftung setzt er
sich für benachteiligte Jugendliche in seiner Heimatregion
Hannover ein.
Prof. Dr. Ulrich Baumann (56) leitet eine Schwerpunktstation
für Lungenerkrankungen an der Medizinischen Hochschule
Hannover (MHH). Er ist geschäftsführender Oberarzt, Leiter
der Notaufnahme in der MHH-Kinderklinik und seit 2001
Vorsitzender des „Vereins zur Unterstützung AIDS-kranker
Kinder e.V.“.

 

Prof. Dr. Ulrich Baumann: „Wir helfen Menschen
aus der sozialen Isolation.“

Noch vor zwei Jahrzehnten war HIV oder Aids, wie die Krankheit im Endstadium heißt, ein Todesurteil. Heute ist die Krankheit dank neuer Forschungs­ergebnisse behandelbar. Als Arzt habe ich viele Möglichkeiten, zu helfen. Patienten müssen aber nicht nur mit ­einer unheilbaren Krankheit leben. Es ist ­zugleich, als seien sie aussätzig, aus der Gesellschaft verstoßen. Sie dürfen nicht darüber reden, sie sollen sich offenbar schämen und werden ausgeschlossen.

Die Familien müssen irgendwie versuchen, dass es nicht bekannt wird. Dabei gibt es weltweit keine einzige Kind-zu-Kind-Infektion mit HIV. Man kann miteinander spielen, auch Verletzungen stellen keine Gefahr dar, man kann gemeinsam Geschirr und Besteck benutzen. Dennoch kommt es auch in einer Stadt wie Hannover vor, dass etwa kollektiv alle Eltern ihre Kinder vom Kinder­garten abmelden oder fordern, dass ein HIV-positives Kind der Einrichtung verwiesen wird. Oder, dass eine ­Familie mit einem HIV-positiven Kind von den Nachbarn aus einer Mietwohnung gemobbt wird. Da muss noch viel Aufklärungsarbeit erfolgen.

Als Verein geht es uns zunächst um konkrete materielle Hilfe, etwa um eine schöne Weihnachtsfeier zu ermög­lichen oder einen Wunsch zu erfüllen. Und wir helfen, aus der sozialen Iso­lation zu kommen. Zum Beispiel fahre ich einmal im Jahr mit meiner eigenen Familie und den betroffenen Familien – dieses Jahr waren es 20 Familien und 97 Teilnehmer – in ein Camp. Da geht es manchmal schlicht darum, ­Vorbild zu sein. Nach der Diagnose für ihre fünfjährige Tochter traute sich etwa eine Mutter nicht mehr, das Kind auf den Arm zu nehmen. Wir sind dann zusammen schwimmen gegangen, ich nahm das Mädchen auf den Arm, auf die Schultern. Als die Mutter sah, wie selbstverständlich das ist, hat sie ­später ihr Kind auch wieder auf den Arm ­genommen. Das war ein tief bewe­gender Moment.

 

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