Interview

mit Mariella Ahrens
Erfahrungen & Bewertungen zu WirtschaftsHaus Unternehmensgruppe

„Wir vergessen zu oft die alten Menschen“

Sie ist auf roten Teppichen und vor der Kamera zu Hause. Doch Schauspielerin ­Mariella Ahrens müht sich seit vielen­ ­Jahren um das soziale Miteinander in unserer Gesellschaft – und um ­die­jenigen, um die sich sonst kaum jemand kümmert


 

Frau Ahrens, Sie haben in zahllosen Filmen und Fernsehserien mitgewirkt. Nun spielen Sie ­Theater in München – eine neue Erfahrung?

Es stimmt schon, ich bin eher mit der Kamera aufgewachsen. Aber die Bühne gehört definitiv zum Leben einer Schauspielerin. Und ich genieße es sehr, täglich mit intensiven und spannenden Proben beschäftigt zu sein. Zuletzt spielte ich in „Mirandolina“, einer Komödie von Carlo Goldoni. Das Stück war bis Ende Januar an einigen Orten in Deutschland zu ­sehen, unter anderem auch am Bayerischen Hof in München. Es ist ein Stoff aus dem 18. Jahrhundert – und er forderte mich sehr heraus.

 

Wie kommt‘s?

Eine Hauptrolle in einem Klassiker, das ist schon anspruchsvoll. Man kann durchaus sagen, dass das wohl eine meiner bislang größten Herausforderungen war. Vor allem wegen der ungewohnten, historischen Sprache des Stücks. Sich ­darauf zu konzentrieren und dann trotzdem humorvoll zu spielen, ist ein echter Spagat.

 

Theaterbühne, Filmrollen, Lesungen, dazu ­Auftritte in ­TV-Shows und bei Events und auf roten Teppichen – Sie haben viel zu tun. Dennoch nehmen Sie sich ­neben ­beruflichen Verpflichtungen immer wieder Zeit für ­soziale ­Projekte. Das tun auch viele andere prominente ­Menschen. Aber nicht immer ist das besonders dauerhaft oder glaubwürdig. Sie dagegen sind seit 12 Jahren konti­nuierlich für ­Ihren Verein „Lebensherbst“ unterwegs. Was ­motiviert Sie?

Zuerst einmal habe ich den Verein selbst gegründet – schon deshalb liegt er mir sehr am Herzen. Und dann hat das Ganze eine sehr persönliche Note: Ich bin in Bulgarien bei ­meinen Groß­eltern aufgewachsen und habe wohl auch deshalb ­einen besonderen Zugang zu älteren Menschen. Da wollte ich einfach unterstützen, wo es geht. Wir als Verein ­versuchen, in ganz Deutschland ­Senioren zu helfen.

 

„Lebensherbst“ – der Name deutet es ja bereits an: Es geht nicht um die Blüte der Jugend, es geht um Unterstützung für Menschen im hohen Alter. Auf der Website Ihres Vereins kann man über einen Ausflug in ein Shoppingcenter lesen. Wundert es sie selbst, dass man Menschen mitten in Deutschland so schlicht eine große Freude machen kann?

Das stimmt, aber das ist nur ein sehr kleines Beispiel. ­Jedes Jahr Anfang Dezember veranstalten wir etwa eine ­Weihnachtsfeier für Senioren ohne Verwandtschaft, dazu gibt es ein Oktoberfest, eine Ü-70-Party und vieles mehr. Viele der alten Menschen, für die wir uns einsetzen, sind auf Sozial­hilfe angewiesen, um über die Runden zu ­kommen. Umso mehr freut es uns, zumindest einigen von ihnen ­Herzenswünsche zu erfüllen.

 

Können Sie uns noch ein paar Beispiele für solche ­Wünsche ­geben?

Das ist eine sehr bunte Mischung. Einmal wollte jemand ­einen Hubschrauberflug über Hamburg. Das war ein großes Hallo: 80-Jährige im Heli, die haben sich so gefreut. Es war sehr lustig, das zu erleben. Ein anderes Mal wollte eine Dame ihre Schwester besuchen, und auch das haben wir ihr ermöglicht. Es geht also gar nicht um völlig abgehobene ­Dinge, sondern oft um banale, aber dennoch für die Leute unerreichbare Wünsche. Dazu zählt ein solcher Besuch – denn ein simples Bahnticket ist für viele Bezieher von Sozialleistungen einfach zu teuer.

 

Als Frau, die in der Welt des Films, der Bühne und auch der Reichen und Schönen ein- und ausgeht — wie sehr erdet Sie der Kontakt zu dieser verborgenen Welt der Pflegeheime?

Natürlich bin ich auf vielen roten Teppichen unterwegs und erlebe dort auch immer wieder Luxus, das stimmt. Aber ich brauche keine Erdung, um zu wissen, was in unserer Welt los ist. Ich beschäftige mich zum Beispiel als Patin oft mit Projekten der Hilfsorganisation World Vision und bin auch ­regelmäßig zu Gast in Afrika und anderen Weltgegenden.

 

 

Mein Engagement für die Älteren hier in unserem Land hat auch damit zu tun, dass diese Gruppe in unserer Gesellschaft regelmäßig vergessen wird. Es geht selten in der Öffentlichkeit um Senioren und deren Probleme. Darum machen sich wenige Gedanken und deshalb wird auch wenig ­gespendet. Dabei haben diese Menschen mit ihrer Arbeit und ihrer ­Leistung unsere Gegenwart oft erst möglich gemacht.

 

Welche Erfahrungen sammeln Sie im Umgang mit den ­alten Menschen? Welche Themen haben Sie, wenn Sie miteinander ins Gespräch kommen?

Wenn man da hinkommt, dann möchten die vor allem gern reden. Sie brauchen eben auch Aufmerksamkeit, wie jeder Mensch. In den Heimen, die ich kenne und besuche, sind ­immer auch Demenzkranke integriert. Da ist es oft für die anderen Bewohner kaum möglich, miteinander wirklich ins ­Gespräch zu kommen. Und die Pflegekräfte haben auch immer so viel zu tun, dass letztlich wenig Zeit für den ­Kontakt mit den Senioren bleibt. So wird Einsamkeit zu einem ­häufigen Problem. Und genau dafür wollen wir Angebote und Hilfe schaffen.

 

Haben Sie den Eindruck, dass die Politik genug tut, um ­älteren Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen?

Ich finde es schon einmal gut, dass in der Politik immer ­wieder über Pflege nachgedacht wird. Aber ich finde, sie schauen zu viel auf die Zukunft und zu wenig auf das, was jetzt ist. Wir als Verein versuchen, schon für die jetzige Generation von ­Älteren etwas zu tun. Aber dafür bekommt man wenig ­Unterstützung - wir müssen eigentlich um alles kämpfen.

 

Das WirtschaftsHaus engagiert sich dafür, dass es aus­reichend Pflegeplätze gibt. Wie wichtig ist das?

Sehr wichtig. Ein solches Unternehmen kann außerdem noch etwas anderes tun – nämlich den Heimen einen neuen ­Geschmack geben. Viele Menschen haben immer negative Dinge im Kopf, wenn es um Seniorenheime geht. Es geht auch anders, mit Qualität, Anspruch und Menschlichkeit. Dann verliert das Thema vielleicht auch irgendwann den negativen Beigeschmack. Übrigens: Wie wichtig dem WirtschaftsHaus das Thema ist, zeigt auch, dass sie eine Halbtagsstelle für ­unseren Verein finanzieren. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

Ich habe gelesen, Sie wollen - wenn es geht - selbst ­später nicht in einem Seniorenheim wohnen. Wissen Ihre ­Töchter schon, was da auf sie zukommt?

Nein. Ich habe mit ihnen darüber noch nicht gesprochen. ­Außerdem: Ich bin doch noch jung. Darüber möchte ich noch gar nicht nachdenken. (lacht)

Mariella Ahrens (48)

absolvierte ihre Ausbildung an der von Fritz Kirchhoff gegründeten Schauspielschule „Der Kreis“ in Berlin. Sie stand schon im Berliner Dom als Buhlschaft im „Jedermann“ auf der Bühne und wirkte in vielen Theaterproduktionen mit. Zudem spielte sie in Fernseh­serien wie „SOKO Leipzig“, „Der Bergdoktor“, „Im Namen des ­Gesetzes“, und mehreren Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen.

2016 ­spielte sie die Hauptrolle in der erfolgreichen ARD-Filmreihe „Ein Fall von ­Liebe“. Sie ist Gründungsmitglied, Schirm­herrin und stellvertretende Vorsitzende von „Lebensherbst e.V.“, einem Verein zur Unterstützung pflegebedürftiger, älterer Menschen. Mariella ­Ahrens hat zwei Töchter und lebt in Berlin.

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