„Ich investiere nur in Menschen und Projekte, an die ich glaube“

Judith Williams prüft bei der VOX-„Höhle der Löwen“ mit ihren Jury-Kollegen junge Start-Ups auf Herz und Nieren. Die Fernsehmoderatorin und Unternehmerin hat in ihrem bewegten Leben auch selbst schon viele Projekte gestartet. Im Gespräch mit Faktor W erzählt sie, was aus ihrer Sicht wirklich zählt beim Investieren.

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Frau Williams, Sie haben in Ihrem Leben schon unwahr­scheinlich viel gemacht: Eine letztlich aus gesundheit­lichen Gründen beendete Karriere als Sängerin, das überaus erfolgreiche Engagement beim Home­Shopping­ Sender HSE24, die Jurorentätigkeit bei „Die Höhle der Löwen“ und vieles mehr. Welche Investition ist aus Ihrer Sicht wertvoller: Zeit oder Geld?

Zeit ist das Wertvollste überhaupt, aber wir alle müssen unseren Lebensunterhalt verdienen. Ich habe viele Jahre lang sehr hart gearbeitet und hoffe, dass ich jetzt mehr Zeit für meine Familie habe. Aber es gibt kein Patentrezept: Jeder muss die für ihn richtige Balance aus Zeit oder Geld finden.

In Ihrer Autobiographie beschreiben Sie eindrücklich, wie diszipliniert Ihr Leben abläuft: Viele Projekte, jede Menge Arbeit und im Schnitt nur vier Stunden Schlaf. Welche Eigenschaften braucht man neben solch beein­ druckender Disziplin, um erfolgreich zu sein?

Vor allem Lebensmut, Lebensfreude und Ausdauer – besonders aber den absoluten Rückhalt durch meine Familie. In vielen beruflichen Fragen ist mein Mann Alexander Klaus, der selbst ein erfolgreicher Medienunternehmer ist, mein Sparringspartner. So war er es, der mir von Anfang an dazu geraten hatte, als Jurorin in „Die Höhle der Löwen“ zu gehen.

Wer Ihnen auf Facebook und Instagram folgt, liest von viel Aktivität, von rastlosen Reisen, aber auch von großer Begeisterung für Projekte und Menschen. Man hat den Eindruck: Wo Sie sich investieren, da tun Sie es mit Haut und Haaren. Stimmt die Beobachtung?

Voll und ganz – ja! Ich kann nicht 50 oder 60 Prozent, das konnte ich nie, schon in meiner Kindheit nicht. Ich wollte immer 100 oder besser noch 200 Prozent geben, weil mir die Herausforderungen auch immer so viel Freude bereiten. Es ist fur mich keine negative Anstrengung oder Stress, es ist die absolute Freude an der jeweiligen Sache und vor allem die Dankbarkeit und Demut dafür, das überhaupt tun zu dürfen.

Gelingt es Ihnen, Leben und Arbeiten trotz der oftmals hohen Intensitat Ihres Engagements in Balance zu halten? Und wenn ja: Wie?

Ich versuche es und es gelingt meinem Mann und mir hoffentlich immer besser. Ein Beispiel: Meine Live-Shows in England bei QVC versuche ich so zu legen, dass wir ein Familien-Wochenende in London anhängen können. Wir verbringen dann jede freie Minute zwischen den Shows miteinander und besuchen zum Beispiel ein Musical. Unsere Kinder sind das von Anfang an gewöhnt und es ist für sie ein Abenteuer und eine Abwechslung zum Schulalltag. Umgekehrt besuche ich gerne meinen Mann am Drehort, wenn er zum Beispiel wieder für einen Pilcher-Film vor der Kamera steht. Wir versuchen immer, als Familie möglichst viel Zeit miteinander zu verbringen.

Sind Sie eigentlich von allen Produkten, die Sie verkaufen, begeistert? Oder anders gesagt: Muss man als guter Verkäufer auch in der Lage sein, Dinge zu verkaufen, die man sich selbst wohl niemals kaufen würde?

Ich empfehle nur Produkte, die ich persönlich für gut, nützlich, innovativ und begehrenswert halte. Bei der Entwicklung von neuen Produkten arbeiten wir solange, bis wir vollumfänglich zufrieden sind. Das war natürlich nicht immer so: In meinen Anfängen, als ich noch keine eigene Markenwelt hatte, sondern nur als Moderatorin anderer Leute Dinge verkaufen musste, war klar, dass ich auch Produkte, von denen ich nicht so begeistert war, so gut und emotional wie möglich anpreisen musste.

 
Sprechen wir über das Investieren. Viele Menschen inves­tieren in erster Linie, um Geld zu vermehren. Was bedeutet Ihnen persönlich Geld?

Mit Geld kann man sehr viel Gutes tun. Geld ist gedruckte Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Aber Geld ist nur ein Mittel zum Zweck: Ich habe deshalb bei allen meinen Projekten nie zuerst ans Geld gedacht, sondern es ging mir immer zuerst um die Sache, um die Herausforderung, die Leidenschaft! Es macht einfach Spaß, gemeinsam mit einem guten und engagierten Team Herausforderungen zu meistern.

Welche Tipps würden Sie jemandem geben, der Geld investieren möchte?

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich investiere nur in Menschen, an die ich glaube und deren Visionen mich überzeugen. Gerade bei einem Start-Up kann man viele Dinge nachsteuern und Fehler ausbügeln, nur eines muss von Anfang an vorhanden sein: Herzblut. Wenn Sie Bundeskanzlerin wären, in welchen Bereich unseres Landes würden Sie mehr investieren? Auch wenn es Ländersache ist und damit nicht originär in den Kompetenzbereich eines Bundeskanzlers fällt: In unser Schulsystem, in Erziehung und Bildung. Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft.

Wieviel Risiko muss man eingehen, um erfolgreich zu investieren?

Ich bin kein Spieler, der das Risiko sucht, aber ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl. Wie vertrauens- und glaubwürdig sind meine potentiellen Geschäftspartner? Brennen sie für unser Projekt?

Wann war eine Investition Ihrer eigenen Defnition nach überhaupt erfolgreich?

Wenn ein Investment den Wert einer Firma gesteigert hat. Ob man dann als Investor wieder aussteigt oder das Unternehmen weiter begleitet, hängt vom Einzelfall ab.

Benjamin Graham sagt in seinem Buch „The intelligent investor“, er wolle nicht Profite maximieren, sondern Verluste minimieren. Wie würden Sie Ihre persönliche Philosophie beim Investieren beschreiben?

Der Weg ist das Ziel. Mich interessiert bei einer Investition die Nachhaltigkeit und nicht das schnelle Geld. Aber natürlich müssen am Ende auch die Zahlen stimmen. Und der Spaß an der Sache darf auch nicht zu kurz kommen.

Zum Investieren gehört auch das Scheitern. Können Sie Beispiele für Projekte nennen, in die Sie viel Zeit und Geld gesteckt haben, und die dennoch nicht funktioniert haben? Woran lag dies Ihrer Meinung nach?

Natürlich gehört es dazu, auch mal auf die Nase zu fallen. Aber niemand investiert mit dem Ziel, zu scheitern, um diese Erfahrung zu machen. Auch bei DHDL gab es auf den ersten Blick sehr hoffnungsvolle Investments, bis sich dann bei der eingehenden Prüfung, der Due Dilligence, herausstellte, dass die Gründer bei ihrer Präsentation mit falschen Zahlen, alten Schulden oder fehlenden Betriebsmitteln gearbeitet hatten. In diesen Fällen sagen wir dann ab. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Sie drehen gerade gemeinsam mit Ihren Jury­Kollegen eine neue Staffel „Die Höhle der Löwen“. Haben Sie das Gefühl, in Deutschland ist das Investieren in ganz neue Produkte, in völlig andere Denk­ und Arbeitsweisen aus­ reichend etabliert? Oder haben wir da noch Aufholbedarf?

Als Amerikanerin in Deutschland darf ich sagen: In den USA ist man viel mutiger mit Ideen und ihrer Verwirklichung. Allerdings sind wir in Deutschland das Land der Dichter, Denker und Erfinder, wir sind also gründlicher in der Planung und Umsetzung. Die Höhle der Löwen zeigt eindrucksvoll, wie groß das Potenzial in Deutschland ist.

Was sind die typischen Fehler, die Sie bei Start­ups beobachten?

Oft ist es eine viel zu hohe Firmenbewertung. Die Gründer wollen viel Geld für wenig Prozente. Das ist dann oft das K.O.-Kriterium für alle „Löwen“. Ich möchte in einer Firma etwas bewegen und deswegen brauche ich auch Anteile, die es mir erlauben, mich sinnvoll einzubringen. Wenn Gründer das nicht wünschen, sollten sie besser zur Bank gehen und sich das Geld leihen.

Sie haben schon einige Projekte bei den „Löwen“ unter­stützt. Investieren Sie in erster Linie in ein Produkt, eine Idee – oder in die Personen, die dahinter stecken?

Wie gesagt, in erster Linie ganz klar in den Menschen der hinter der Idee steckt. Nur mit ihm gemeinsam kann man eine gute Idee zum Fliegen bringen!

Die Fertigsuppen von „Little Lunch“, bekannt vor allem durch den Auftritt bei den „Löwen“, sind inzwischen bei HSE24, bei ALDI, Rewe und anderswo erhältlich. Wie erklären Sie sich den Erfolg? Und wie intensiv unter­stützen Sie dabei?

Little Lunch ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, auch dank Frank Thelen und vor allem der Gründer, die hart für den Erfolg arbeiten und gemeinsam mit mir im Lebensmittelhandel Klinken putzen. Über meine Sendungen bei HSE24 haben wir die neue Form des gesunden Essens sehr schnell sehr bekannt gemacht. Little Lunch könnte noch in diesem Jahr das weltweit beste Startup dieses TV-Formates werden und damit sogar noch erfolgreicher als alle Start-Ups des amerikanischen Vorbilds „Shark Tank“. Frank Thelen, die Gründer und ich haben von Anfang an an einem Strang gezogen. Wir haben alle die selbe Vision und jeder bringt unaufgefordert seine ganze Kraft und Energie ein – das ist ein echter Glücksfall, für den wir alle sehr dankbar sind. Das ist Herzblut. Und das garantiert am Ende den Erfolg.

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